Werden Roboter die neuen Sexarbeiter?

Wie sieht der perfekte Intimpartner aus? Die meisten Menschen würden sich wahrscheinlich eine Person wünschen, die treu ist, gut aussieht und zudem alle sexuellen Wünsche und Fantasien erfüllt. Ein Sexroboter tut genau das. Wird die Sexindustrie also in Zukunft auf demütige Sexroboter setzen, um die sexuellen Bedürfnisse ihrer Kunden zu erfüllen?
Die Vorreiter dieser Tendenz existieren in Form von lebensechten Sexdolls und Toys bereits heute. Sexpuppen etwa können online mit den gewünschten Merkmalen bestellt werden. Der Kunde kann dabei das Aussehen den persönlichen Vorlieben entsprechend festlegen; wünscht er sich spitze Elfenohren etwa, ist das kein Problem und Merkmale wie die Farbe von Schamhaar, Größe des Hinterteils oder Beschaffenheit der Brüste stehen zur Auswahl. Aber diese Puppen können keinen Orgasmus imitieren oder sich unterhalten, sie sind eher ein Werkzeug zur sexuellen Befriedigung. Kunden können zwar genau bestimmen, wie ihre Sexpuppe aussehen soll, müssen aber beim Gebrauch ihre Vorstellungskraft bemühen.
Die technische Entwicklung erlaubt allerdings immer neue Funktionen. Ein männliches Modell ist in der Lage, einen schlaffen Penis ersteifen zu lassen und weibliche Puppen können einen Orgasmus simulieren, sprechen oder mit dem Kopf nicken. Sie können eine Stimme oder ein Gesicht erkennen und so interagieren. Das ganze spielt sich also nicht mehr nur in der Fantasie des Besitzers der Puppe ab, sondern diese Roboter können tatsächlich handeln. Besitzer wählen immer noch die äußeren Merkmale und Funktionen, aber die Beziehung mit dem Objekt entwickelt sich einen Schritt weiter.

Lebensecht

Lebensecht

Die Pornoindustrie gibt den Ton an

Ein führendes Unternehmen in der Entwicklung von Sexrobotern ist der Hersteller Abyss Creations. Mithilfe einer App werden die Vorlieben des Auftraggebers ermittelt und die Informationen werden auf eine Puppe übertragen. Der Roboter lernt auf diese Weise. Parallel zur Sexroboter-Industrie, die von der Pornoindustrie angeleitet wird, explodiert geradezu der Bereich der künstlichen Intelligenz. Künstliche Intelligenz ermöglicht die Gesichtserkennung, die Stimmerkennung, die Analyse der emotionalen Ausdrucksweise oder die Sammlung physiologischer Daten: erhöht sich die Herzfrequenz zum Beispiel, wenn man über Sadomaso redet, drückt das vielleicht eine Vorliebe aus und der Roboter könnte darauf eingehen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis jemand aus der Pornoindustrie beschließen wird, diese künstliche Intelligenz in eine Puppe zu integrieren. Bordelle mit Sexpuppen existieren bereits und wenn diese durch einen Roboter ersetzt werden, braucht man nur noch zu beobachten, wie viele der Kunden einen Sexroboter bevorzugen.

Diese Vorstellung könnte bei Kritikern einerseits auf große Ablehnung stoßen und als Tabubruch angesehen werden, andererseits führen Befürworter das Argument an, dass niemandem dabei geschadet wird. Die Ehefrau mit einem Sexroboter betrügen? Warum nicht?
So wie Geburtenkontrolle, Dildos und andere Sextoys zur Normalität geworden sind, könnten Sexroboter ganz normal werden. Falls allerdings die Pornoindustrie die Entwicklung der Roboter anführen wird, werden diese weiterhin auf der sexuellen Objektifizierung und sogar Ausbeutung insbesondere des weiblichen Körpers basieren.

Manche können nicht genug besitzen

Manche können nicht genug besitzen

Vorteile der Sexroboter

Es existieren auch Überlegungen über einen eventuellen therapeutischen Einsatz von Sexrobotern. So könnten diese zum Beispiel bei der Therapie von Personen mit sexuellen Traumas, die keinen Sex mit anderen Menschen haben können, begleitend eingesetzt werden. Männern, die unter erektiler Dysfunktion oder frühzeitiger Ejakulation leiden, könnten die Roboter ebenfalls helfen, eventuell mit begleitender Therapie. Es wird auch vorgeschlagen, dass diese Erfindungen für Menschen mit Behinderungen oder ältere Personen nützlich sein könnten. Es existieren bereits Vereine, die sexuelle Helfer für Menschen mit Behinderungen bereitstellen.
Wenn Sexroboter verantwortungsvoll und umsichtig und nicht nur in einer schmuddeligen Nische eingeführt werden, könnte das die Hersteller unter Druck setzen, damit die Roboter weniger pornografisch und für ein breiteres Publikum ansprechend gestaltet werden.
Eine weitere Hoffnung besteht darin, Prostitution mithilfe der Sexroboter zu beseitigen und den damit verbundenen Menschenhandel sowie die Ausbeutung von Kindern durch Pädophile einzudämmen. Psychologen merken dazu allerdings an, dass zum Beispiel Menschenhandel stark auf der Auslebung von Macht und Domination beruht und dass dies kaum mit einem Roboter nachgeahmt werden kann. Sexarbeiter geben ebenfalls an, dass ihre Kunden oft wollen, dass sie Drogen konsumieren oder sich betrinken oder dass sie wissen wollen, wie man zum Sexarbeiter wurde. Das lässt vermuten, dass es wohl eher schwer sein wird, Prostitution mit Sexrobotern zu ersetzen.Es gibt auch eine Firma, deren Puppen Annäherungsversuche zurückweisen können. Aber von einer totalen Domination eines anderen Individuums ist das noch weit entfernt. Ein japanischer Hersteller stellt bereits Puppen her, die wie Kinder aussehen und argumentiert, dass Pädophile eher diese verwenden können, anstatt sich an Kindern zu vergehen. Bewiesen werden kann das natürlich vorerst nicht, allerdings wurden Kunden in Europa und Kanada, die eine solche Puppe bestellten, wegen dem Besitz von Kinderpornografie strafrechtlich verfolgt.
Dazu gibt es auch ethische Bedenken, denn durch die Verfügbarkeit solcher Puppen wird vermittelt, dass Menschen, die ihre Fantasien und Fetische damit ausleben wollen, nichts Falsches tun, obwohl unsere Gesellschaft die rechtliche und moralische Einstellung vertritt, dass es nicht erlaubt ist, Kinder auf diese Art zu behandeln und zu missbrauchen. Zudem könnte einem Pädophilen die Puppe irgendwann nicht mehr genügen und er könnte durch diese eher bereit sein, sich an einem Kind zu vergehen.

Uneingeschränkte Datenerhebung?

Eine sich parallel zu den Sexrobotern entwickelnde Technik stellen die sogenannten “Teledildos” dar. Das Wort “Tele” suggeriert in diesem Fall, dass durch ein Telekommunikationsnetzwerk verbundene Partner, auch wenn sie voneinander getrennt sind, miteinander Sex haben können.
Der Dildo hat dabei Zugang zu verschiedensten Information, z.B. die Temperatur der Scheide, Dauer bis zum Orgasmus, usw. und zu diesen sehr persönlichen Informationen hat die Herstellerfirma dann Zugang. Bisher existieren keinerlei Vorgaben, was die Firma mit den Daten alles anstellen darf, ob sie gespeichert, weitergegeben, genutzt oder vernichtet werden können. Die von Robotern gesammelten Daten könnten daher in der Zukunft den größten Wert der Roboter ausmachen. Diese Besorgnis gilt nicht nur für Sexroboter – schließlich könnten Roboter bald auch im großen Stil Hausarbeiten verrichten, sauber machen oder als Gesundheitsroboter unsere Blutwerte überwachen und mithilfe von Algorithmen zuverlässiger als ein Dermatologe bestimmen, ob ein Leberfleck auf der Haut bösartig ist oder nicht.
Die kritischen Bedenken zu dieser Entwicklung bestehen darin, dass wir uns immer mehr auf die Technik verlassen und Roboter werden ein Teil davon sein. Wir greifen bei jedem Problem auf die Technik zurück und glauben, dass diese allein das Problem lösen wird.

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